Ein-Eltern-Familie im Strukturfunktionalismus
Können die Funktionen der Familie von Alleinerziehenden erfüllt werden
Wie dem Titel dieser Arbeit bereits zu entnehmen ist, liegt das Augenmerk zum einen auf den Ansichten des Strukturfunktionalismus bezüglich der Familie und zum anderen auf den Alleinerziehenden bzw. der Ein- Eltern- Familie. Diese “Kombination“ ist deshalb so interessant und untersuchenswert, weil die beiden Vertreter des Strukturfunktionalismus, William J. Goode und Talcott Parsons, davon ausgehen, dass Alleinerziehende nur eine unvollständige Familie sind. Begründet wird diese Aussagen mit der These, dass ein Elternteil allein die Funktionen der Kernfamilie nicht befriedigend erfüllen kann und so alle Mitglieder der Ein- Eltern- Familie (so würden Goode und Parsons jedoch Alleinerziehende nie bezeichnen) Nachteile gegenüber Mitgliedern von Kernfamilien hätten und dass darüber hinaus die Funktion der Familie bezüglich der Gesellschaft nicht erfüllt werden kann. Besonders interessant sind diese Annahmen weiterhin, da die Anzahl der Ein- Eltern- Familien in der Bundesrepublik Deutschland (künftig BRD) in den letzten zwei Jahrzehnten stetig zugenommen hat und „ihr Anteil an allen Familienformen […] heute zwölf Prozent“ beträgt (Nave- Herz/ Onnen- Isemann 2001: 297). Auch die Zahl der Kinder in Ein- Eltern- Familien ist gestiegen und hat sich annähernd verdoppelt: von 1,34 Millionen 1987 auf 2,7 Millionen im Jahr 2001 (vgl. Döcker 1987: 1; Schneider et. al. 2001: 11). Hier bleibt die Frage zu beantworten, ob alle diese Ein- Eltern- Familien sich nur durch Benachteiligung auszeichnen und ihre Funktionen als Familie nicht erfüllen können.
Im Verlauf dieser Arbeit sollen daher zwei Fragestellungen im Mittelpunkt stehen:
1. Können die Funktionen der (Kern-) Familie – trotz Unterschieden – von Ein- Eltern- Familien erfüllt werden?
2. Falls ja, inwiefern kann man die Annahmen von Goode und Parsons diesbezüglich erweitern?
Eine Erweiterung des Strukturfunktionalismus müsste in diesem Fall so erfolgen, dass Alleinerziehende nicht mehr als unvollständige Familie, sondern als “richtige“ Familie angesehen werden.
Gemäß diesen beiden Hauptfragestellungen wird sich auch der Aufbau der Arbeit darstellen. Zunächst werden die theoretischen Annahmen des Strukturfunktionalismus nach Goode und Parsons über Familie dargestellt. In einem weiteren Kapitel wird dann ein Überblick über die Forschung zu Ein- Eltern- Familien gegeben. Alle Daten und Thesen in diesem Kapitel werden sich – soweit nicht anders genannt – auf die BRD bzw. auf westliche Gesellschaften beziehen. Auf diese Weise soll die aktuelle Situation der Ein- Eltern- Familien beurteilt und eine Antwort auf die Frage nach der Erfüllung der Familienfunktionen nach Goode und Parsons gefunden werden. In einem abschließenden Teil werden dann die Annahmen des Strukturfunktionalismus hinsichtlich der Alleinerziehenden gegebenenfalls erweitert.
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About the Author
Magister-Abschluss an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz im Nov. 2006 in den Fächern Soziologie, Politikwissenschaft und Deutsche Philologie
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