Ans Kap

Ans Kap

Mit dem Fahrrad ans Nordkap

Autor: Jürgen Rinck (Irgendlink)
Umfang: 112 Seite(n)
Verfasst: Feb. 2015
Verkaufsrang: 151 XinXii Verkaufsrang
Views: 2128

Kategorie: Reisen & Auswandern » Reiseberichte  |  Publikationsart: Reisebericht/ -führer
Stichworte: Reise, Fahrrad, Outdoor, Liveblog, Twitter, Skandinavien

Zwei Fahrradreisen ans Nordkap 1995 und 2015

1995 radelte Jürgen Rinck alias Irgendlink von Mainz bis fast ans Nordkap und machte alle zehn Kilometer ein Foto der bereisten Strecke.
Zwanzig Jahre später begibt er sich auf die Suche nach seiner eigenen Spur zu den alten Fotostandorten. Das Projekt wird live gebloggt. „Diesseits und jenseits der digitalen Revolution“ könnte der Arbeitstitel dieser Geschichte sein. Neben der rein physischen Reise durch Deutschland und Skandinavien tritt der Künstler auch eine Reise durch die jüngste Geschichte an. Politisch, geografisch und technisch sind wohl nie so viele bahnbrechende Ereignisse auf engstem Raum eingetreten wie in diesem Jahrzwanzigst. Von „Windows 95“ bis Ubuntu „Snappy“, von papierenen Landkarten bis zum GPS, von Null bis Facebook, Twitter und noch ein Stückchen weiter hinein in die Cloud. Die Reise führt vom Europa der Grenzen und vielen Währungen in ein vereinigtes Etwas von 28 Staaten, das sich womöglich vor einer Zerreißprobe befindet. Viele Themen gibt es und täglich frisch bloggt der Reisekünstler über seine Erlebnisse. Vor der malerischen Kulisse einer Künstlervergangenheit spielt ein live erlebter Roadmovie und jeder, der sich in dieses Blog vertiefen mag, ist mit dabei.


Für diesen Eintrag ist der Autor verantwortlich.

Über den Autor

Jürgen Rinck (Irgendlink) | Autor auf XinXii.com

registriert seit: Feb. 2013
Veröffentlichungen auf XinXii:  3
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Jürgen Rinck alias Irgendlink, geboren 1966 in Zweibrücken, studierte Bauingenieurwesen und Wirtschaftslehre, bevor er sich ab 1995 der Entwicklung von konzeptuellen Kunstprojekten widmete. Autodidakt. Schwerpunkte sind Fotografie in Kombination mit Literatur und Software, was zu einer Genre-Mischung führt, für die es keine Vorlage gibt: Appspressionismus.

Irgendlink lebt auf einem einsamen Gehöft in Rheinland-Pfalz.
Kontakt: irgendlink[at]t-online.de
Webseite: http://irgendlink.de

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Ein Kunstprojekt - keine Radtour 17. Feb. 2016
von Kai Dörfner
1995 fuhr er das erste Mal mit einem Freund als Nordkap. 20 Jahre später, mittlerweile 49, begibt er sich nochmals – aber solo – auf die identische Tour. Doch nein, hier will sich kein Fast-50-Jähriger in der Midlife-Crisis seine Kraft beweisen. Jürgen Rinck, unser Nordlandfahrer, ist Künstler und seine Fahrradtouren sind als Kunstprojekt zu verstehen. Täglich bloggt er, schreibt unter seinem Pseudonym @irgendlink Twitter-Kurznachrichten mit dem Hashtag #ansKap und fotografiert alle 10 Kilometer die Straße, auf welcher er fährt. Dazu gibt es am iPhone erstellte Postkarten für die Unterstützer.

Das alles sollte man wissen, bevor man sich an die Lektüre von »Ans Kap – Mit dem Fahrrad ans Nordkap« macht. Denn das Buch ist kein einfacher Bericht eines Radreisenden, wie es sie zu hunderten als Buch gedruckt und im Internet gebloggt gibt. Das Buch ist der verschriftlichte Teil dieses Kunstprojektes.

Jürgen Rinck alias Irgendlink beschreibt sehr fein Menschen und Begegnungen. Er ist ein guter Beobachter, ein aufmerksamer Zuhörer und es gelingt ihm offensichtlich leicht, mit ganz unterschiedlichen Menschen in Kontakt zu kommen. Als Radler, der mit sehr geringem Tagesbudget unterwegs ist und häufig wild campt, öffnet sich ihm so manche Tür, so manche einladende Wiese auf der Strecke. Die 80 Tagesetappen von Zweibrücken bis zum Nordkap sind unterschiedlich erzählt und spiegeln die Verschiedenheit des dicht besiedelten Deutschlands und der schier unendlichen Wald-Weiten Schwedens wieder. Auf den deutschen Strecken ist der Stil oft kurz, abgehackt und voller flüchtiger Augenblicke. Ja, hier kommt der Twitterer mit seiner 140-Zeichen-Denke hervor. In Schweden, besonders ab Süd-Lappland, finden sich auch einmal etwas längere Passagen über Land und Leute. Das mag auch der Tatsache geschuldet sein, dass er in Schweden längere Strecken alleine, ohne Besuche unterwegs war und mehr Zeit zum Schreiben fand.

Kein Radreisebericht ohne ausführliche Packliste. Aber auch hier bleibt Irgendlink sich und vor allem seinem Projekt treu. Es ist ein Kunstprojekt und eben keine Radtour. Und so erfahren wir nur, dass sein Rad samt Gepäck 50kg wiegt und wie seine technische Ausrüstung aussieht: iPhone, Solar-Ladepanel, Bluetooth-Tastatur und diverse Software zur Bildbearbeitung. Der Hinweis, dass er das Innenzelt erst füllt und dann ins Außenzelt einhängt, damit die Mücken nicht reinkommen, muss dem Reisetipp-Suchenden genügen. Der eine oder andere Satz, zum Beispiel zu den iDogma-Postkarten, ist für unbeteiligte Leser nicht so ohne weiteres verständlich. Da schreibt er für eine Fan-Gemeinde und nicht für das große Publikum.

Sie sind lesenswert, die Reflexionen über seine Reise, die Miniaturen über das mehr oder weniger wilde Campen, die Begegnungen auf und an der Straße.

Ich fragte mich, wie Irgendlink sich an all die Details erinnern kann. Er kann ja schlecht bei jedem Gedanken stehen bleiben und ihn notieren. Es ist bemerkenswert und eine Gabe, die uns Lesern zugutekommt. Und er überrascht. Mitten in der Einsamkeit Lapplands erwähnt er die Ohrenstöpsel, die er trägt. Es ist nicht der Wind, der ihn dazu treibt. Es ist der raue Asphalt, der die Reifengeräusche vorbeibrausender Fahrzeuge unangenehm verstärkt.

Nach einem letzten und beschwerlichen Anstieg kommt er bei sehr frischen Temperaturen am Nordkap an. Doch bei dieser Reise war, das können alle seine Follower auf Blog, Twitter und Facebook bezeugen, der Weg bereits das Ziel. Und das Publikum war Teil des Projektes. Unter »Aufsicht« gibt es sich nicht so leicht auf. Und die Einsamkeit schnurgerader Straßen relativiert sich durch den durchgängig vorhandenen Mobilfunk-Anschluss ans Internet und die den Austausch mit den Daheim-Gebliebenen.

Sein ursprüngliches Vorhaben, von den identischen Standorten wie 1995 die Straßen zu fotografieren, kam er übrigens schon nach wenigen Tagen ab. Die innerdeutschen Radrouten hatten sich so stark verändert und verbessert, dass er die Route den neuen Gegebenheiten anpasste. Die Absolution hierzu holte er sich von zwei Online-Begleitern zuhause.

»Ans Kap« – das sind 112 Seiten, die das Lesen lohnen. Ein Buch, das auch Nicht-Radler gerne lesen werden. Und als eBook passt es in jede Tasche. Das Vorwort zum Buch stammt vom Künstlerkollegen @der_emil

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