Produktivkraft Leser - Crowdsourcing in der Medienbranche

12.03.2009 - von Autor: Frank Puscher, Redaktion SPIELFIGUR

Auszug:

Unter dem Signum Crowdsourcing versuchen immer mehr Unternehmen den Ideenreichtum und die Kreativität ihrer Kunden abzuschöpfen und der eigenen Produktentwicklung zuzuführen. Das funktioniert auch für Verlage.

Müde belächelt wurde Kaffeeriese Tchibo, als das Unternehmen letztes Jahr bekannt gab, eine Erfinderplattform ins Netz stellen zu wollen. Eine Plattform, auf der Jedermann seine Ideen einreichen konnte. Die besten daraus sollten letztlich in Produktion gehen. Wieder ein Unternehmen, dass versucht aus der Social Web Bewegung Kapital zu schlagen, also aus jener schnell wachsenden Bereitschaft der Nutzer, Inhalte und Kreativität aktiv ins Netz zu bringen, statt nur passiv zu konsumieren.

Ein Dreivierteljahr ist vergangen und Tchibo Ideas brummt. Soeben wurde der Februarsieger „Cubix“ gekürt. Er hat ein beheizbares Sitzkissen fürs Fußballstadion erdacht. „Alle Achtung, ich hätte nicht gedacht, dass sich Tchibo mit dieser Idee durchsetzen würde“, lobt Crowdsourcing-Experte Matias Roskos. „Am Anfang sah das viel zu sehr nach Werbekampagne aus“.

Crowdsourcing, so heißt die Disziplin, in der Unternehmen Projekte öffentlich ausschreiben und hoffen, dass ein oder mehrere Nutzer die passende Lösung finden. Die Idee ähnelt dem klassischen Design-Wettbewerb, mit dem eine Firma nach einem neuen Logo-Entwurf fahndet. Nur werden beim Crowdsourcing per se alle Nutzer angesprochen. Vielleicht ist ja die Idee eines Quereinsteigers viel spannender und innovativer, als die eines Profis.

Berühmtheit erlangte eine Initiative des Computer-Herstellers Dell, der auf der Plattform IdeaStorm das Feedback von PC-Kunden einsammelt. So kamen letzten Sommer ein paar Rechner ohne vorinstalliertes Windows in den Handel. Dafür waren Sie mit einer Version des Linux-Betriebssystems ausgestattet.

Crowdsourcing in der Medienbranche

Natürlich entwickelt das Thema seine stärkste Dynamik dort, wo es direkt um digitale Produkte geht, also Texte, Bilder, Sound und Video. Die Nutzer laden das fertige Werkstück und die Käufer können sich bedienen. Das Paradebeispiel für Crowdsourcing ist iStockPhoto. Der Dienst sammelt Digitalbilder und stellt sie für kleines Geld seinen Kunden zur Verfügung. Die großen Bildagenturen schauen in die Röhre. Aus dem ehemals knappen Gut Digitalbild ist ein preiswerter Gebrauchsartikel geworden. Hier hat Crowdsourcing eine ganze Branche verändert.

Die nächste mediale Revolution steht bereits vor der Tür. Zwischen XinXii, Textox, Textbroker und einigen anderen ist der Kampf um preiswerte Texte entbrannt. Damit sollen vor allem Websites bestückt werden. Doch die Ausdehnung dieses Modells in Richtung Corporate Publishing ist nur eine Frage der Zeit.

Zugkraft entwickeln hier vor allem Prominente, die Ihre Fangemeinde zum Mitarbeiten aufrufen. Am 3. März flimmerte Sönke Wortmanns Film, Sommermärchen 2008 im Nachtprogramm über die Fernsehschirme. Ein Film, der ebenso vollständig aus Fanvideos zusammengeschnitten wurde, wie das Konkurrenzprojekt „23 Tage“ von Detlev Buck. Ein ähnliches Projekt gibt es auch In der Buchbranche zu bewundern. Derzeit ist der Film zur „Hexe von Portobello“ auf Festival-Tour. Auch dieser Film entstand aus Videos, die von den Lesern von Paulo Coelhos Blog eingesandt wurden. Definitiv keine Fan-Videos, sondern hoch-professionelle Arbeiten....






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