Siegfried Lenz: „Der Verlust“


Author: Florian Bayer
eBook
Pages: 18
Language: German
Publication date: 30/11/-0001
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Hausarbeit zu der Verarbeitung des Themas der Aphasie in Lenz Werk
„Wir sind angewiesen auf unsere Imagination, durch sie erfahren wir unsere Möglichkeiten, durch sie werden wir aber auch zurückgeworfen auf uns selbst. Vielleicht liegt darin ihr Geheimnis, dass sie uns zugleich befreit und gefangen setzt.“

Seit beginn des 20. Jahrhunderts sind die Möglichkeiten zur Kommunikation rapide angestiegen. Durch die Verbreitung immer weiterer moderner Möglichkeiten sich zu informieren und mit seinen Mitmenschen Kontakt aufzunehmen, ist eine Entwicklung im Gange, deren Ergebnis noch nicht absehbar ist. Bis in unsere Zeit reicht dieser Fortschritt, und er geht noch weiter, so dass man unserem modernen Leben einen wahren Kommunikationsüberschuss und eine damit einhergehende Wahrnehmungsüberflutung attestieren kann. Gleichzeitig lässt sich allerdings auch feststellen, dass den Menschen zunehmend die Möglichkeit verloren geht zu selektieren, und was noch wichtiger ist, genau auf Details dieser Kommunikationswahrnehmung einzugehen. Man hört zwar noch, was der Andere sagt, hat fragmentarische Eindrücke von dem, was um einen herum geschieht, ist aber nicht mehr in der Lage sich damit wirklich zu beschäftigen, tiefer auf Themen einzugehen. Viel eher zeigt sich die Tendenz, dass man versucht herauszunehmen, was einem persönlich selbst am wichtigsten ist, was man für behaltenswert betrachtet, und den Rest zu ignorieren.
Die Kommunikation ist den Menschen wichtig wie nie zuvor, erfährt im Alltag allerdings eine immer radikaler werdende Entwertung dadurch, dass die Menschen zwar unentwegt sprechen, aber nicht mehr miteinander, unentwegt zuhören ohne wirklich auf das zu hören, was der Gesprächspartner sagt. Kommunikation wird inflationär gebraucht und dadurch zum einfachen Konsummittel. Wir nehmen Dinge wahr ohne ihren Gehalt wirklich erfassen zu können, ohne wirklich zu verstehen, was sie bedeuteten. Was uns nicht viel bedeutet, wird zu einem einfachen Anschauungsobjekt degradiert, das eigentliche Wesen der Dinge ist nicht mehr wichtig: Wahrnehmung bedeutet nicht mehr Reflexion oder Nachdenken, sondern Wahrnehmung in ihrer rudimentärsten Form: Sich berieseln lassen, die Erscheinungen erblicken ohne sie wirklich zu betrachten, ohne zu suchen, was dahinter steckt. Trotzdem fühlen wir uns auf die Informationen angewiesen, die uns der Alltag bereithält, sind abhängig von den Dingen, die wir sehen und ebenso von der Sprache, die die Erscheinungen in ein System einfügt, die eine ordnende Instanz in dem Chaos des Wahrnehmbaren darstellt.
Was allerdings geschieht, wenn uns eben diese Ordnung verloren geht, wenn wir gezwungen sind, alles, was uns vorher so vertraut war, wieder aufs Neue kennen zu lernen, wenn es uns plötzlich schwer fällt, das Wahrgenommene zu klassifizieren und zu benennen, und wenn es uns noch schwieriger fällt dieses unseren Menschen mitzuteilen? Siegfried Lenz behandelt in seinem Roman „Der Verlust“ einen solchen Prozess, die Probleme, die sich durch den Verlust der normativen Wahrnehmung und Kommunikation für die Hauptfigur ergeben, aber auch die Chancen, die daraus erwachsen. Was bedeutet der Verlust der normativen Wahrnehmung und der Möglichkeit diese zu artikulieren? Wie reagiert der Betroffene auf das Fehlen einer Klassifizierungsmöglichkeit, einer oberflächlichen Einordnung der alltäglichen Erfahrungen, und wie reagiert die Umwelt? Welche Chancen können daraus hervorgehen, wenn man wieder darauf angewiesen ist sich mit den Dingen auseinander zu setzen, wenn man darauf angewiesen ist, genau auf sich selbst und auf andere zu hören, wenn die Kommunikation wieder erhöhte Konzentration erfordert? Wie funktioniert die Kommunikation in unserer Gesellschaft und welche Defizite gibt es in diesem Bereich?
Die Antworten auf diese Fragen liegen in Lenz Buch, das an Aufmerksamkeit, Reflektion und Nächstenliebe im Umgang mit Menschen, die natürliche Fähigkeiten verloren haben, appelliert, zugleich ein Panorama unserer modernen Kommunikationsgesellschaft darstellt und deren Oberflächlichkeit sowie fehlende Reflexionsbereitschaft kritisiert. In Folgendem werde ich versuchen dieser Problematik auf den Grund zu gehen und aufzuzeigen, wie Siegfried Lenz an eine neue Möglichkeit der Kommunikation und Beschäftigung mit unserer Wahrnehmung appelliert.



1. Der Hirnschlag und die Folgen: Zusammenfassung des Geschehens und Hintergründe (S. 5)


2. Die sprachliche Umsetzung des Verlustes und der veränderten Wahrnehmung (S. 8)


3. Der Verlust der Wahrnehmung und Kommunikation und seine Folgen (S. 10)

3.1. Die Bedeutung der Wahrnehmung und Kommunikation für Ulrich Martens (S. 10)
3.2. Die Konfrontation mit der „neuen Wahrnehmung“ und dem Verlust der Ausdrucksmöglichkeit Martens (S. 11)
3.3. Die Kommunikationsdefizite der Gesellschaft und ihre Reaktion auf den neuen Martens (S. 13)


Schlussbetrachtung: Der Verlust als Neubeginn (S. 17)



Literaturverzeichnis
El vendedor asume toda la responsabilidad de esta entrada.
- Student der Germanistik, Philosophie und Neueren Geschichte an der Universität Potsdam: Zwischenprüfung mit 1,0
- Freier Autor mit Lesebühnenerfahrung
- Dramaturg und Schauspieler

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