Rückkehr zur Naturheilkunde

Bedeutung der paracelsischen Heilmittellehre im Nationalsozialismus


Author: Tilia Hoffmann
eBook
Pages: 17
Language: German
Publication date: 01/05/2008
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Die Bedeutung der paracelsischen Heilmittellehre im Nationalsozialismus
Während die heutige, auf wissenschaftliche Erkenntnis begründete Medizin als anerkannte und staatlich legitimierte Praxis gilt, sah sich selbige noch vor rund 200 Jahren in einem Wettstreit wieder, in dem sie sich behaupten musste gegenüber einer 1 Vielzahl verschiedener Heilmethoden- und Praktiken. So sahen sich die Patienten neben gelehrten und studierten Wundärzten, Chirurgen und Apothekern auch allerhand nicht lizenzierter Heilkundiger gegenüber, welche von ersterer Gruppe geringschätzig als „Quacksalber“, „Scharlatane“ oder auch „Medikaster“ bezeichnet wurden. Dieser langwidrige Konkurrenzkampf, welcher sich nicht nur in Deutschland vom 16. – 19. Jahrhundert abzeichnete, konnte schließlich erst mit Professionalisierung der Ärzteschaft, das heißt durch ihre „[…] Etablierung als Berufsstand mit gesellschaftlich anerkannter und staatlich legitimierter Sachkompetenz in Krankheits- und Gesundheitsfragen sowie weitgehender Selbstregulierung 3 berufsständischer Belange […]“ , beendet werden. Dass diese Art ärztlicher 4 Standesbewegung – auch „Medizinalreform“ genannt – erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgte und zu einem Einheitsstand, wie wir ihn heute kennen, führte, lag größtenteils an der damalig bestehenden mannigfachen Ausrichtung, welche eine Medizinalperson annehmen konnte. So wurden unter dem Terminus ‚Arzt’ nicht nur diejenigen gezählt, welche promovierten und in der Heilerhierarchie an erster Stelle standen, sondern generell „[…] alle mit der Krankenhilfe betrauten Personen, vom Arzt bis zum Bader […]“. Weiterhin wurde durch die Möglichkeit, dass ein gelehrter Arzt zugleich Chirurg, Wundarzt oder Geburtshelfer sein konnte – hatte er das erforderliche Examen absolviert – sowie durch die verwirrende Einteilung in Untergruppen und Klassen der jeweiligen Medizinalpersonen, die Abgrenzung eines einheitlichen 6 Ärztestandes erschwert. Dabei ist die Tatsache, dass sich eine solche einheitliche und autoritäre Medizin schließlich herausbilden konnte, eng verknüpft mit dem Aufkommen der Naturwissenschaften. Denn erst mit der Einbringung empirisch-wissenschaftlicher Beweisführungen vermochte es die Gruppe der gelehrten Ärzte ihre Heilkunst als die 7 Überlegene zu legitimieren. Eine solche ‚wissenschaftliche Medizin’, die in Opposition zu allen denjenigen Methoden steht, die einer experimentellen Prüfung nicht standhalten, vermochte nicht zuletzt durch die revolutionäre Entdeckung der Zelle durch Rudolf 8 Virchow zu einem Umbruch in der Medizingeschichte zu führen.
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Germanistin, Historikerin, freie Journalistin.



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