Eduard Mörikes Maler Nolten. Biedermeier: Idylle und Abgrund

Dissertation im FB Neuere Deutsche Literatur


eBook
Pages: 230
Language: German
Publication date: 01/12/1996
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Textanalyse: Roman von Eduard Mörike aus dem Frührealismus, Biedermeier
Untersuchung der Romanhandlung sowie übergeordneter Strukturemerkmale.
Auf Kriterien, die aus der Einteilung in eine Romangattung resultieren, wurde verzichtet. Das Werk wurde als Bildungsroman, Künstlerroman, Schicksalsroman, mystischer Roman, sogar als Schauerroman bezeichnet. Den damit angelegten Maßstäben entzieht sich das Werk allerdings. So entstand negative Kritik ohne Prüfung, ob die voreilige Einordnung gerechtfertigt ist. Daher stellt sich hier nicht die Frage, wieweit der Roman in Hinsicht auf die in diesem Fall einengende Kategorisierung ′gelungen′ sei.
Dargelegt wird, wie sich der Gesamtverlauf, der Makrokosmos in kleinen Einheiten und Szenen strukturell und inhaltlich konsequent spiegelt.
Handlungsverlauf und Psychen ließen sich durch Herausarbeiten der gesellschaftlichen Traditionslinien erhellen: Idealismus, bürgerliche Empfindsamkeit, triadische Geschichtsphilosophie, Spätaufklärung, Württembergischer Pietismus, theosophische und rosenkreuzerische Strömungen. Daraus resultiert ein interdisziplinärer Ansatz. Dem Protagonisten, dem bürgerlichen Künstler Nolten, kommt die Rolle des Katalysators zu. Er wird sichtbar über die Einflusssphären, denen er sich aussetzt, meist werden sie über die Frauengestalten präsentiert.
Vorangestellt wird die Interpretation des integrierten Kunstmärchens ′Der letzte König von Orplid′. Es veranschaulicht jene Utopie, die in der Weimarer Klassik definiert wurde. Sie zeigt die Prozesse zur Lösung gesellschaftlicher Konflikte. In den Kunstmärchen der Romantik war dieses Modell weiter ausgestaltet worden.
Das Ziel einer gesellschaftlichen Erneuerung tritt als Forderung an das Romanpersonal heran. Der Autor prüft, inwieweit es sich für die Umsetzung dieses Ideenguts eignet und kooperiert.
Schließlich sind alle Hoffnungen zerstört, die Protagonisten sterben. Dennoch erweist sich Mörike nicht als Fatalist. Vielmehr reflektiert er Entwicklungen seiner Kultur in ihren Bezügen oder ihrer Isolation. Deutlich wird, dass Mörike das gegenwärtige Scheitern eines an sich funktionstüchtigen gesellschaftlichen Projekts innerhalb eines Umfelds feststellt, das für die Umsetzung und die notwendige Kooperationen noch nicht bereit ist.
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